Aufnahme:
Wer einen Igel aufnimmt, muss zu einer gewissenhaften Betreuung über mehrere Monate ohne Urlaubsunterbrechung bereit sein! Gesund erscheinende Tiere sollten ab Oktober nur dann aufgenommen werden, wenn sie weniger als 500 g wiegen oder bei Frost noch aktiv aufgefunden werden.
Kranke und geschwächte Igel sind auf Verletzungen, Maden, Flöhe und Zecken zu untersuchen und evtl. dem Tierarzt vorzustellen.
Unterbringung:
Igel sind Einzelgänger und sollten grundsätzlich nicht gemeinsam gehalten werden (außer Wurfgeschwister).
Sie benötigen einen ca. 2 m großen Auslauf mit einem Schlafhäuschen (ca. 25 x 20 x 15 cm) bei ca. 16 - 22 Grad. Als Einstreu hat sich Zeitungspapier bewährt, das mindestens 3 x pro Woche gewechselt werden sollte.
Ernährung:
Die Igel sind Insektenfresser und bevorzugen als dämmerungsaktive Tiere die Nahrungsaufnahme in den Abendstunden.
Als geeignetes Futter hat sich Dosenfutter für Hunde und Katzen, Hühnerklein, gekochte Eier, Rührei, Quark, Bananen, Karotten, Hundeflocken, Nüsse und ungeschwefelte Rosinen bewährt. Handelsübliches Igelfutter sollte nur als Zusatzfutter gegeben werden, nicht als Alleinfutter.
Empfehlenswert ist auch eine Multivitamin-Mineralstoffmischung. Das Futter sollte Zimmertemperatur haben. Ein bis zwei Esslöffel pro Tag sind völlig ausreichend für die angestrebte Gewichtszunahme von 50 g pro Woche (am besten jeden Tag das Gewicht kontrollieren). Ein Igel sollte auf keinen Fall mehr als 800 - 1000 g wiegen.
Milch ist keine geeignete Nahrung, da sie häufig zu schlimmen Durchfällen führt. Normaler Kot ist plastisch bis fest, auf jeden Fall aber geformt.
Krankheit:
Krankheitsanzeichen sind Futterverweigerung für länger als 2 Nächte, Gewichtsabnahme, Durchfall, Husten, seitliches Umfallen, Stachelausfall, Lähmungen oder Zittern.
Bei Auftreten dieser Erscheinungen ist der Tierarzt aufzusuchen. Weißschaumige Speichelabsonderungen sind ein Zeichen intensiver Beschäftigung mit bestimmten Gegenständen und haben nichts mit Tollwut zu tun!
Winterschlaf:
Die Bereitschaft zum Winterschlaf kündigt sich durch zunehmende Müdigkeit (nicht mit Krankheit verwechseln) und Nestbauverhalten an. Der Igel ist in einen kühleren Raum zu bringen (Futter und Wasser sollten aber noch angeboten werden), er bekommt ein Schlafhaus und viel Papier zum Ausstopfen. Hält der Igel Winterschlaf, darf die Temperatur +6 Grad nicht übersteigen, um einen andauernden, kräftezehrenden Halbschlaf zu vermeiden.
Bleibt der Igel aktiv und nimmt Futter auf (kontrollieren), ist er wieder in einen wärmeren Raum zu stellen und normal weiter zu füttern.
Aussetzen:
Igel sind am besten Anfang Mai, möglichst in der Nähe des Fundortes, auf jeden Fall aber weit entfernt von Straßen in einem Gebiet mit ausreichend Unterholz auszusetzen. Am besten kommen die Igel zurecht, wenn man sie kurz vorher mit Lebendfutter (Raupen, Mehlwürmer, Schnecken) an ihre natürliche Nahrung erinnert.
Bei geeigneter Witterung können gesunde, 400 - 500 g schwere Igel noch im Herbst ausgesetzt werden, evtl. zufüttern.
Igelbabys:
Vor der Aufnahme der Igelbabys sollte man sich davon überzeugen, dass die Kleinen wirklich mutterlos sind und die Mutter nicht etwa auf Nahrungssuche ist.
Bei Frost und Schnee ist die ganze Familie aufzunehmen und zu überwintern. Das Wichtigste für ein verlassenes Igelkind sind Wärme und Nahrung. Dann kann man daran gehen, Maden und andere Parasiten zu entfernen. Säuglinge unter 100 g Körpergewicht (immer nach Mutter und Geschwistern fahnden!) müssen alle 2-3 Stunden mit Ersatzmilch gefüttert werden.
Es eignen sich Katzenwelpen-Milchersatzpulver mit 2 Teilen Fencheltee und 1 Teil Boviserin vermischt oder Sahne 1:1 mit Fencheltee, dazu 1 Tropfen Multivitaminpräparat und dazu eine Messerspitze Schlämmkreide. After und Geschlechtsteil müssen nach dem Essen mit einem weichen Pinsel gekitzelt werden, um den Urin- bzw. Kotabsatz anzuregen.
Ab 100 g Körpergewicht gibt es Kindernährbrei, zerdrückte Bananen und nach und nach Hackfleisch, Hühnerfleisch und Rührei. Ab 150 g Körpergewicht ist die Milchnahrung allmählich wegzulassen. Ab 200 g bekommen die Kleinen normale Igelkost (siehe oben).
Zusammenfassung:
Igel sind Wildtiere, keine Heimtiere. Nicht jeder Igel braucht Hilfe; aber jede Hilfe muss richtig sein.
- Differenzierte Aufnahme je nach Gewicht, Gesundheitszustand und Jahreszeit
- Artgerechte Unterbringung und Ernährung, sowie sorgfältige Beobachtung der Igelentwicklung, Gewichtszunahme notieren.
- Raumtemperatur während der Pflege warm, zum Winterschlaf kalt.
- Im Frühjahr Vorbereitung der Igel und Biotopsuche.